
Ausstellungen
(wichtigste Einzel- und Gruppenausstellungen)
Auszeichnungen
1998 Max-Oskar-Arnold Kunstpreis, Neustadt/Coburg
2001 Prize for Innovation, Wachtanoff Gallery, Moskau, House of Artists
2001 Max-Oskar-Arnold Kunstpreis, Neustadt/Coburg
Presseartikel
… klein und eher unspektakulär kommen die Papierplastiken von Christel Hartz einher. Doch bei näherem Betrachten offenbaren sie so viel hintergründigen Humor, dass man sich an ihnen ungemein erfreuen kann.
Da gibt es etwa die "Insitutionisten": eine farblose, blasierte Dreiergruppe von schnieken Herren. Deren zu kleinen Melonen scheinen geradezu das Hirn zu verlängern und aus den Schädeln Eierköpfe zu machen; der Melonenrand erinnert an einen Heiligenschein und lässt die Herren als die Besserwisser erscheinen, die in so manchen Ämtern anzutreffen sind. Dass dann noch die Hände fehlen, ist ebenfalls ein wohl durchdachtes Detail, das die Drei als untätige Symbolfiguren entlarvt.
"Schräge Vögel" überschreibt Christel Hartz ihre Ausstellung in der Handwerkskammer. Neben humorvoll verunglimpften menschlichen Wesen sind auch Vögel unterschiedlicher Art zu sehen. Etwa der farbenfroh karierte Hahn "Hugo der Verruchte", der die elegant Ente "Marylin" mit gierigem Blick anvisiert. Oder kleine schwarze Vogelwesen mit langen, orangefarbenen Schnäbeln, als "Piep-Show" in den verschiedenen Abflugstadien.
Sie alle tragen menschliche Züge und werfen jenseits ihres witzigen Hintergrunds Gestaltungsfragen auf. Fein und filigran sind sie ausgearbeitet, mit Köpfen, die an feines Porzellan erinnern. Doch sind alle Plastiken aus dem gleichen Material geformt, den unterschiedlichsten Papierarten, von der groben Wellpappe über Papiermaché bis zum handgeschöpftem Papier.
außergewöhnlich - unüblich – sehenswert …
Saarbrücker Zeitung
Brigitte Quack
… sie hat stets den Menschen im Visier, versucht seine Haltung, Gestik, Körpersprache zu erkunden. Ihre "Plaudertaschen", rundliche Frauenfiguren, sind aus Telefonbuchpapier gestaltet, denn schließlich hängt das ausgewählte Papier von dem zu gestaltenden Thema ab. Die "Ordnungshüter" hat sie ganz passend aus den Seiten des DGB geformt, und ihre "Institutionisten" kommen in grauer Wellpappe einher, die ebenso schwer beweglich ist wie die drei grauen Herren.
Die Figurenunikate erzählen von menschlichen Eigentümlichkeiten als "Schräge Vögel". Mitunter finden sich auch wirkliche Vögel unter ihren plastischen Werken, sowie poetische Mischwesen wie die "Seidenschwanztänzer" und die "Bürtzelchen". Auch hier sind die Gesichter sehr ausdrucksstark, Körperhaltung und Gesten genau kalkuliert und die Outfits bis ins kleinste Detail durchdacht. Und alle kommen sie in einer großen spielerischen Leichtigkeit einher …
Saarbrücker Zeitung
Brigitte Quack
... Sie modelliert mit Papier in allen Variationen, reißt und verklebt in Fetzen in einem zeitaufwendigen
Arbeitsprozess, rollt Wellpappe oder schichtet Zeitungspapier. Die Gesichter sind teils angedeutet, teils aus Ton mit
prägnanter Mimik ausgestattet. Mit treffenden Posen stellt die Künstlerin ihre genauen Kenntnisse der Anatomie
und menschlicher Befindlichkeiten unter Beweis. Sie führt lästerliches Geschwätz ebenso vor wie lächerlichen
Dünkel in der Figurengruppe „Das Gerücht“.
Witzig sind auch ihre Märcheninterpretationen, seien es die Bremer Stadtmusikanten in Dosen oder die Fortsetzung von
Rapunzel mit schwangerem Bauch. Skurril mutet die Figurengruppe „Furiosa contra Harmonia“ an, bei der Geige,
Trompete und Trommel mit Händen und Füßen und in bunten Farben ein fast schon surreales Eigenleben entfalten.
Frankfurter Rundschau
Regine Seipel
... Meist aus gerissenem Japanpapier, erscheinen sie gleichermaßen gewachsen in immer noch sichtbaren
Schichten und verletzlich in ihrer nicht verheilten Oberfläche. Es gibt zauberhafte Motive wie die an frivole
Schäferszenen anknüpfenden Paar-Konstellationen. Aber es gibt auch maliziöse Darstellungen in der Tradition
von Honoré Daumier oder Andreas Paul Weber – die Vierergruppe „Lotteradel“ oder die fünf Figuren
von „Das Gerücht“, in deren in Ton modellierten Gesichter menschliche Gemütszustände wie Arroganz,
Griesgrämigkeit oder Schadenfreude eingekerbt sind.
Das Duo „Ansichtssache“, das dem Kritiker mit der Lupe und dem Reporter mit dem Fotoapparat gewidmet ist, wurde
aus vielfarbigem Zeitungspapier geformt und erinnert an Neugier und Distanz, zwei notwendige, aber nicht überall sympathisch
aufgenommene Berufskrankheiten der Pressevertreter ...
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Jürgen Richter
... Noch abstrakter sind ein Kontrabass und eine Violine mit menschlichen Zügen, oder eine Figurengruppe
in Grau zum Thema „Das Gerücht“. Was unterscheidet diese Puppen noch von Skulpturen? ...
Stuttgarter Zeitung
… klein sind die Unkate von Christel Hartz. Klein sind auch die Gesichter, doch sie sprechen Bände. Das ist schon erstaunlich, wie es ihr gelingt, so viel Ausdruck hier unterzubringen. "Das Gerücht" ist eine Gruppe aus Pfarrer, Nonne und drei Weiber, hergestellt aus gerissenem Papier und Modelliermasse. Hier bricht sich sogleich die Fantasie des Betrachters Bahn, und vor seinem inneren Auge bauen sich Szenen und Zusammenhänge auf. Man trachtet danach, die Bigotterie dieser feinen, schwarz gekleideten Gesellschaft zu entlarven.
Ähnlich ergeht es einem bei der Betrachtung anderer Figuren. Sei es nun, dass man sich den "Bürtzelchen", diesen kleinen seltsamen Wesen mit nur drei Zehen, drei Fingern, einem wundersamen Haarschmuck und sonderbaren Flügeln zuwendet. Oder das Ensemble "furiosa" mit seinen "verwesentlichten" Musikinstrumenten betrachtet, alles hat so viel Ausdruck und fordert geradezu dazu auf, sich seine eigene Geschichte zu erfinden ….
Saarbrücker Zeitung
Fr. Bredel